11. März 2011

Informationsakquise über Social Media: Menschliche und technische Filter

Wie gehen wir mit dem Information Overload um? Es folgt meine Antwort auf den aktuellen Wissenswert Blog Carnival von Andrea Back und Jochen Robes.

Die Zeiten sind längst vorbei, in denen jedermann alle ihm zur Verfügung stehenden Informationen konsumieren konnte (bzw. sich zumindest so gefühlt hat) – und das nicht erst seit dem Internet. Jetzt sind gute Strategien gefragt, um die für eine Person (für ein bestimmtes Ziel, eine bestimmte Tätigkeit oder einen bestimmten Bedarf) relevanten Informationen aus dem unüberschaubaren und riesigen Informationsangebot zu filtern. In meiner Informationsakquise-Strategie unterscheide ich grob zwei Arten von Filtern: menschliche und technische Filter.

Im Laufe der Zeit sind menschliche Filter für mich zur wesentlichen Gattung von Filtern geworden. Ich nutze intensiv mein soziales Netzwerk zur Informationsbeschaffung (und auch zur Teilung von Informationen, aber darum soll es hier nicht gehen). Dabei verwende ich selbstverständlich nicht nur die oft kritisierten Sozialen Netzwerkplattformen wie Facebook, Twitter, Xing oder LinkedIn, sondern setze auch auf klassische Methoden.
Was ist die Idee dahinter? Nun, Informationen, welche für Personen in meinem sozialen Netzwerk relevant sind, sind es meist auch für mich. Informationen, welche Menschen in meinem Netzwerk teilen, interessieren auch mich besonders. Ganz im Sinne von Web 2.0 / Enterprise 2.0 setzte ich hier auch auf den Serendipity Effekt, d.h. im Browsen von Activitystreams, Feeds und Dokumenten finde ich sehr oft Informationen von hohem Wert, nach denen ich vorher gar nicht implizit gesucht habe. Aus meiner Sicht hat Social Media entscheidend dazu beigetragen, dass ich mich meist sehr gut informiert fühle.

Technische Filter setze ich ein, um mich über bestimmte Themen und Inhalte gezielt zu informieren. Dazu zählt beispielsweise ein Google Alerts Agent zu meinem Namen „Alexander Stocker“, anhand dessen ich feststellen kann, wer über mich im Web etwas geschrieben hat. Dieses simple (Social) Web Monitoring empfehle ich ohnehin jedem Nutzer.
Auch bei Twitter nutze ich Suchagenten, um mich über die für mich interessanten Themen wie beispielsweise„Enterprise 2.0“, „Social Media“ und „Wissensmanagement“ zu informieren. Über Suchmaschinen wie Google kann ich nach der grundsätzlichen Befriedigung meines täglichen Informationsbedarfs dann gezielt nach weiteren Information suchen.

Aus meiner Sicht ist ein "Information-Overload" wesentlich angenehmer, als keine Informationen zu erhalten. Ich filtere lieber aus einem Überfluss an Informationen heraus, als dass ich unter- oder gar uninformiert bin. Ich bestimme lieber, was für mich relevant ist, als dass ich es andere bestimmen lasse. Ich setze lieber auf Pull- statt auf Push-Strategien. Der freie Zugang zu Information, welcher durch „Datenkraken“ wie Google erst so richtig genutzt werden kann, ist für mich ein wesentliches Gut unserer Informationsgesellschaft. Genau das sollten sich vor allem die vielen Kritiker zu Herzen nehmen. Was ihr kritisiert, setzen wir zu unserem Nutzen ein. Dazu bedarf es jedoch auch einiger Übung und es gelingt nicht sofort.

2 Kommentare:

  1. Ohne Auto ist wie ohne Beine und ohne Web ist wie ohne Gehirn !
    Sicherlich ist das alles so zur Zeit richtig und vorteilhaft aber es ist auch ein wesentlicher Verlust der Privatsphäre und der informellen Selbstbestimmung damit verbunden. Der Einzelne und seine Meinung, seine Interessen, sein Konsumverhalten werden durchschaubar. Wenn es sein muss als Einzelne Darstellung, viel interessanter sind aber Daten von Personengruppen mit quasi homogenem Verhalten. Wenn diese Daten allgemein zugänglich wären könnte faktisch jeder ein Geschäft erfolgreich gründen und/oder den persönlichen Anschluss suchen. Die wirkliche Auswertung der Daten ist aber nur international und grenzenlos agierenden Ressourcenbesitzern wirklich möglich. Auch die nationale Verwaltungsbürokratie hat ein Interesse daran Trends und Interessen zu erkennen. http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/udo-schulze/deutsche-schnueffeltechnik-fuer-arabische-regime-von-der-bundesregierung-gefoerdert.html
    In diesem Artikel wird das Thema angerissen. Und man muss leider davon ausgehen das Programme die dort vorgeführt werden hierorts längst in der Nutzung stehen und wenn es nur verdeckt und/oder illegal sein sollte. Auch im eigenen Umfeld kann kann es zu unerwünschten Effekten kommen. Wenn sich auf einmal Kontakte entwickeln zwischen Leuten die sich besser nicht kennen sollten und man selbst steckt in der Mitte kann es unangenehm werden. Spielerisch wird das in diesem Video auf youtube dargestellt: http://youtu.be/dpA1iWyoko4
    Deswegen bin ich der Meinung das man nicht jeden Netzwerktrend mitgehen sollte.
    Wer spricht schon noch über myspace oder gar second live ?

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  2. Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich stimme ihnen zu, dass das Aufkommen von Sozialen Netzwerken mit dem Verlust der Privatsphäre und der Einschränkung der informellen Selbstbestimmung einher geht. Für mich persönlich überwiegen allerdings die Vorteile der SN stark.

    Ich sehen kein Problem darin, dass jemand (zB Google) meine Nutzungsdaten auswertet und mit dadurch zB profilgerechte Werbung anbietet. Ganz im Gegenteil: In einer Welt in der für Online Content nicht mehr gezahlt werden will und ich ohnehin mit Werbung konfrontiert werde, möchte ich zumindest mit der Werbung konfrontiert werden, die für mich interessant ist. Ich will ja auch den guten Service (zB von Google) weiter in Anspruch nehmen.
    Jede Medaille hat eben immer 2 Seiten: Verlust von Privatsphäre und individueller Selbstbestimmung für einen (grenzenlosen) Nutzen, der durch die Sozialen Netzwerke entsteht.

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